Presse

Eine Fotogalerie finden Sie hier, dort können die Bilder auch hochauflösend heruntergeladen werden

 

432 Hertz
Das Mannheimer Hofquartett im Hack-Museum


von Uwe Engel
Streichquartette von Mozart und Holzbauer standen auf dem Programm der jüngsten Matinee der Pfälzischen Musikgesellschaft im Wilhelm-Hack-Museum. Es spielte das Mannheimer Hofquartett, das sich vor allem der Kammermusik der Mannheimer Schule widmet und schöne Beispiele dafür bot, wie die Gattung Streichquartett im späten 18. Jahrhundert geklungen hat.

Mit der Mannheimer Schule hat unsere Region ein wichtiges Kapitel Musikgeschichte geschrieben. Die Neuerungen in Bezug auf Setzweise,
Harmonik, Periodik und Dynamik von Komponisten wie Stamitz, Cannabich und anderen haben die Musik der folgenden Epochen nachhaltig beeinflusst. Die Orchstermusik der Mannheimer Schule nun wird heute vom Kurpfälzischen Kammerorchester gepflegt, die Opern werden gelegentlich im Nationaltheater oder bei den Schwetzinger Festspielen aufgeführt, die Kammermusik hingegen ist nirgendwo zu hören. Dem abzuhelfen haben vier Musiker aus der Region das Mannheimer Hofquartett gegründet. Dessen Intention ist es, diese Musik wieder zu beleben und die fast ausschließlich noch unedierten Werke der Öffentlichkeit vorzustellen. Daneben sind sie damit beschäftigt, für die Mozart-Gesellschaft sämtliche Streichquartette
von Mozart einzustudieren.
Der Initiator des Ensembles, der Cellist Gregor Herrmann, ist nicht nur Leiter der Konzertreihe im Hack-Museum, er spielt auch in verschiedenen Ensembles, ebenso wie die Bratschistin Ulrike Kruttschnitt. Die beiden jungen Geiger, das Geschwisterpaar Christoph und Marie-Luise Dingler, studieren noch an der Mannheimer Musikhochschule, können aber ebenfalls schon auf umfangreiche musikalische Tätigkeiten verweisen.
Das Mannheimer Hofquartett spielt auf historischen Instrumenten, mit Darmsaiten und in der damals in Mannheim gebräuchlichen 432-Hertz-Stimmung. Im Gegensatz zu anderen Ensembles, die der historischen Aufführungspraxis verpflichtet sind, frönt das Quartett nicht einem Klangideal mit schroffen Akzen-
ten, kantigen Phrasierungen und einer oft etwas groben Intonation, sondern zeigt, das man auch mit historischen Instrumenten wohlklingende Töne hervorbringen kann. Und es gibt auch keine rasanten Tempi. Die vier treiben die Musik nicht vor sich her, sie lassen sie klingen, lassen die Töne kommen. Echtes Musizieren im historischen Stil ist es dennoch: Der Ton ist klar und hat wenig Vibrato, die Strukturen des musikalischen Verlaufs werden durch präzise Phrasierung deutlich hervorgehoben: der Klang bleibt durchsichtig und verschwimmt nicht. Unprätentiös und frisch gingen die Musiker Mozarts G-Dur-Quartett KV 156 an, ließen die Musik ihren natürlichen Fluss nehmen, präsentierten die Komposition als sympathisches Frühwerk. In angenehme Klänge getaucht wurde auch das Quartett KV 387 aus Mozarts Reifezeit, ebenfalls in G-Dur. Allerdings hätte man sich hier, vor allem im ausgedehnten Menuett, etwas mehr Biss und. einen dramatischeren Zugriff gewünscht. Als Beispiel für die Mannheimer Schule erklang die Sonata da camera f-rnoll von lgnaz Holzbauer. Ein interessantes, eindringliches, doch nicht leicht zugängliches Werk. Es muss eine äußeren oder programmatischen, recht tragischen Hintergrund haben, steht es durchgehend in düsterem moll, mit zwei langsamen Sätzen zu Beginn und einem nur unwesentlich schnelleren Menuett und Finale , in denen sich die Stimmung auch kaum aufhellt. Expressiv und präzise gespielt, war dieses Holzbauer- Werk beim Mannheimer Hofquartett in besten Händen.
 

Mannheimer Morgen, 9.4.2009
Klassik: Das Mannheimer Hofquartett spielt Haydn

Dem Himmel ganz nahe

Schlichtheit ist oberstes Gebot. Das \ Mannheimer Hofquartett erschließt Haydns Sonaten zu den "Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuz" mit fein abgestufter Dynamik und einem langen Atem für die Melodiebögen, die vielfaltige Wandlungen durchlaufen, Man kann in ihnen Trauer, Auflehnung und Erschütterung vermuten, aber schließlich überwiegt der Ausdruck von Zuversicht, wie er ja auch aus der "Schöpfung" spricht. Haydns Musik kennt keine Verzweiflung, nur die Überwindung der Zweifel. Und Dankbarkeit für die göttliche Liebe, Darauf liegt die Bettonung der musikalischen Passionsandacht in der Johanniskirche Mannheim- Lindenhof. Michael Sowa liest die Jesus-Worte, und die Spieler historischer Instrumente spinnen den Inhalt meditierend fort. Zum Text "Heute Wirst Du mit mir im Paradies sein" zeichnet das mehrfach variierte Geigenthema eine Himmelfahrt nach, die wie hingehaucht wirkt.
Das Stilempfinden des Ensembles, das vor einem halben Jahr in Mannheims Schlosskirche sein Debüt gab, bevorzugt abgemilderte Gegensätze und charakteristische Klangbilder. Die frischen Pizzicato- Tropfen zu "Mich dürstet" etwa überlagern den absinkenden Klageton der ersten Geige. Das Cello
bäumt sich in einer kurzen Gegenrede gegen den schmerzlichen Gesang der übrigen Quartett-Mitglieder auf.
Frei von Leid
Solche deklamatorischen oder lautmalerischen Details bewerten Christoph-Friedemann Dingler und Marie-Luise Dingler (Violinen), Ulrike Kruttschnitt (Viola) und Gregor Herrmann (Cello) höher als biblische Finsternis. Die Attacken des Erdbebens nach Jesu Tod sind zwar scharf im Ton, doch frei von allen Karfreitags-Leiden. ML